Exkursion zum Teufelsberg

Zum Abschluss des Semesters waren wir mit unserem Graffiti Seminar auf dem Gelände der ehemaligen U.S. Abhörstation auf dem Teufelsberg. Seit ich nach Berlin gezogen bin möchte ich dort schon hin. Immerhin war ich auch in Leipzig in verlassenen Gebäuden unterwegs. Vom leer stehenden Nachbarhaus, in dem wir bei späteren Besuchen auch mal die eine oder andere Spritze gefunden haben, über Industrieruinen bis hin zu halb verfallenen Villen die dort einfach so herumstehen. Da erschien mir dieser ehemalige Abhörposten beim Grunewald nur allzu sehr als lohnendes Ziel. Also habe ich mich im Vorfeld hingesetzt und mal geschaut was andere im Netz dazu schreiben. Wie komme ich auf das Gelände? Was gibt es für Sicherheitsrisiken? Gehe ich alleine oder mit Freunden? Wem teile ich meinen Aufenthalt vorab mit, falls etwas passieren sollte? Wohnen dort u.U. Menschen auf die man treffen könnte? – Das waren nur die ein paar Fragen mit denen ich mich vorher auseinander gesetzt habe, damit ich nicht am Ende mit gebrochenen Knochen irgendwo in einem Loch herumliege.

Von 1957 bis 1991 wurde die Anlage von verschiedenen US-amerikanischen und britischen Aufklärungs- und Sicherheitsdiensten für Überwachungsaufgaben genutzt. Angeblich konnten sie während des Kalten Krieges, von dort aus den Funkverkehr bis kurz vor Moskau abhören.

Nach dem Ende des kalten Krieges und nach der Wiedervereinigung Deutschlands zogen die Briten und Amerikaner 1992 ab. 1996 wurde das Gelände dann an eine Kölner Investorengemeinschaft verkauft die, die fixe Idee dort Luxuswohnungen zu bauen, aber bis auf eine Musterwohnung (die mittlerweile fast nicht mehr zu erkennen ist als solche) hat sich dort nichts getan. Das ganze scheiterte am massiven Widerstand von Umweltschützern, Anwohnern und den explodierenden Baukosten so, dass der Investor Insolvenz anmelden musste.

Bis 2003 waren die Bauruinen bewacht, was aber dann aus finanziellen Gründen vom Berliner Senat eingestellt wurde. Nach 2003 kam es zu Vandalismus und Metalldiebstahl. 2005 wurde wieder eine Wachgesellschaft mit Sicherungsaufgaben betraut. Seit Februar 2011 werden nun Führungen angeboten, ansonsten ist das Gelände nicht offiziell zugänglich. Außerdem hat sich dort eine kleine Künstlerkolonie angesiedelt, die dort an Projekten arbeitet, das Gelände ein wenig her richtet und auch danach schaut, dass keine „Unbefugten“ das Gelände betreten. Wer sich die Anlage anschauen will, der muss jetzt dafür Eintritt bezahlen. Wer sich anderweitig Zutritt verschafft, wird im Nachhinein abkassiert. Unter diesen Umständen wollte ich das Gelände nicht besichtigen.

Nun ist es so, dass wir im Rahmen des Studiums einen Wahlbereich aus ‚Kultur, Ästhetik, Medien‘ belegen müssen. Ich habe mich in einen Graffiti Kurs eingetragen und durch einen glücklichen Zufall sind wir zum Abschluss des Semesters zu der alten Abhöranlage gegangen. Über die Verbindungen meines Dozenten konnten wir das Gelände besichtigen und sogar selbst dort sprühen, wofür uns eine Wand zur Verfügung gestellt wurde. Unser eigenes Graffiti war zwar nicht so gut wie manch anderes dort oben, aber es ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen. Im Gebäude auf dem die höchste Radarkuppel ist findet sich mittlerweile eine Art Galerie mit Graffitis und vom Turm hat man eine grandiose Aussicht. Überall auf dem Gelände befinden sich Graffitis und es gibt eine Menge zu entdecken.

Einen Eindruck davon findet ihr in der Galerie: